Der international gefeierte Komponist und Pianist Leon Gurvitch präsentiert am 07. März seine Kammeroper „Charms“. Im ersten Teil des Interviews stellt er sich vor.
Auf der Modenschau von Liz Malraux, über die ihr hier lesen könnt, dufte ich den international gefeierten Komponisten und Pianisten Leon Gurvitch und seine Ehefrau Irina kennenzulernen. Interview, das ich im Anschluss mit ihm führen durfte, war absolut inspirierend. Lernt hier den Komponisten und Pianisten Leon Gurvitch kennen.
Johanna Karajan: Lieber Leon, es ist mir eine große Freude, dich heute interviewen zu dürfen. Um dich besser kennenzulernen, möchte ich dich zunächst fragen: an welchem Punkt deines Lebens ist dir klar geworden, dass du dich der Musik widmen möchtest?
Leon Gurvitch: Seit meiner Kindheit, genauer gesagt, seit ich sechs Jahre alt war, habe ich angefangen, mich mit Musik zu beschäftigen. Wie jedes Kind bin ich erstmal auf eine Musikschule gegangen. Zudem hat meine Mutter als Pianistin und Musiklehrerin gesagt, dass wir es erstmal versuchen, eine musikalische Richtung professionell einzuschlagen – vielleicht klappt es ja. Daraufhin war ich bei einem Professor. Nach drei Monaten meinte dieser Lehrer „ja, aus diesem Jungen könnte was werden“. Ab dem Punkt hat mich nur noch die Musik in allen verschiedenen Facetten durch mein ganzes Leben begleitet. Ich habe nichts anderes gemacht oder gelernt als Musik. Die Schule, auf der ich war, war eine sehr spezielle Schule, Musik Lyzeum, in Minsk Belarus. Sie zeichnete sich selbst als Schule für begabte junge Leute aus. Von ganz früh an war die Einstellung: du wirst immer mit der Musik verbunden sein.
Heißt das, du hast in Minsk ein Musikinternat besucht?
Genau, es war ein Musikinternat. Es gibt im ganzen Land nur eine einzige Schule dieser Art mit einer sehr schwierigen Aufnahmeprüfung. Aber wenn du schon drin bist, kannst du dich elf Jahre mit allen möglichen Musikfächern beschäftigen. Es ist zwar eine strenge Schule, aber wenn du dann drin bist, bleibt dir nichts anderes übrig, als dich auf die Musik zu konzentrieren. Anderenfalls fliegst du sehr schnell raus (lacht).
Frau Irina fügt hinzu: Du hattest auch andere Hobbies, wie Sport.
Leon: Ja genau, ich hatte mit sechs oder sieben angefangen, mit Eiskunstlauf. Aber dann habe ich schnell gemerkt, dass, nachdem ich ein paar Mal runtergefallen bin, es gefährlich für die Hände ist.
Beide: Und dann hat mir mein Lehrer auch geraten, dass es besser ist, es lieber zu lassen und sich auf die Musik zu konzentrieren.
Warst du dann anschließend auch auf einem Konservatorium, sodass du Musik auch studiert hast?
Ja, natürlich war ich dann auch auf einer Musikhochschule.

Hast du dich dann anschließend beruflich auch nur der Musik gewidmet?
Ja, genau. Ich habe, um mich zu finanzieren auch nebenberuflich nur mit der Musik gearbeitet (lacht). So habe ich mit 13 Jahren meinen ersten Job am Theater, wo ich dann am Klavier gespielt und eine Performance begleitet habe. Dann später habe ich in einem Jazzclub gearbeitet und so weiter. So muss man irgendwie Geld verdienen. Ich war dann auch auf Tourneen. Aber ich glaube heutzutage haben die Menschen viel mehr Möglichkeiten als damals. Gott sei Dank waren das damals für mich glückliche Jahre, sodass ich auch viel Erfahrung gesammelt habe.
Und was für Stücke hast du damals in den Jazzclubs und Theatern gespielt?
Oh, das waren Sachen, die die Leute immer wieder hören wollten. Im Theater waren das bereits vorgetragene und vorgefertigte Stücke. Aber das hat mir einen großen Impuls für Improvisation gegeben. Jeden Abend, wenn ich auf der Bühne gewesen bin, musste ich mich immer anpassen oder improvisieren. Ich habe Stummfilme begleitet. Das hat auch viel zu meiner Improvisation beigetragen.
Und bei Jazz spielt man alle möglichen Jazzstandards. Das wurde auf dem Konservatorium allerdings nicht beigebracht, weil Jazz außerhalb der klassischen Musik lag. Meinen Horizont hat das aber auch erweitert.
Hast du dir dennoch selbst das Genre Jazz und dementsprechend die Arbeit im Jazzclub ausgesucht?
Ja.
Du hast schon erzählt, dass deine Mutter Pianistin war und dich auf deinem Weg geprägt hat. Gibt es noch mehr Menschen außer deiner Mutter und deinem Lehrer, die dich zur Musik inspiriert haben?
Ja, als ich noch sehr jung war, habe ich Irina getroffen, die mittlerweile meine Frau ist. Wir waren damals beide noch in Minsk und Irina kennt meine gesamte Laufbahn. Als wir uns getroffen hatten, war ich allerdings kein Anfänger mehr, sondern Student. Allerdings von der Karriere her gesehen, kennt sie mich seit meinen Anfängen.
Später habe ich Leute getroffen, die schon bekannte Künstlerinnen und Künstler waren: Sänger und Sängerinnen, Dirigenten, die meinen Weg auch immer wieder unter die Lupe genommen haben und gute Ratschläge gegeben haben. Als Dirigent war ich in mehreren Master Klassen. Eine davon war in der Schweiz, ein sehr berühmter Meister Kurs, das Gstaad Festival. Da waren schon berühmte und legendäre Dirigenten wie Gennady Rozhdestvensky oder Neeme Järvi. Vor ein paar Jahren habe ich einen amerikanischen Dirigenten kennengelernt, John Axelrod. Der kennt meine Musik. Ich war bei einem Wettbewerb in Bucharest und habe dort den President of the Jury Preis bekommen.
Also die Leute, die viel Erfahrung haben, die schätze ich sehr. Aber auch als ich selbst unterrichtet habe, habe ich selbst viel gelernt, von den jungen Menschen. Ich reise sehr viel mit verschiedenen Künstlern und arbeite zusammen mit so vielen Kulturen. Jede Kultur und jeder Mensch bringt etwas Eigenes mit und da gibt es immer einen sehr guten Austausch.
Seine Kammeroper „Charms“ präsentiert Leon Gurvitch am 07. März in der Staatsoper. Die in Hamburg ausverkaufte Kammeroper spielt eine Wiederholung in Lübeck. Alle Infos dazu gibt es hier.
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